Radtour Loire-Tal

im August 2001

 

Teilnehmer: Christian und ich

Reiseführer: "bikeline Loire" und "Kompass Radführer Loire"

1. Tag Anreise mit dem Auto nach Sully sur Loire
2. Tag Von Sully sur Loire über Orleans nach Beaugency
3. Tag Von Beaugency über Chambord und Cheverny nach Montrichard
4. Tag Von Montrichard über Chenonceau und Amboise nach Tours
5. Tag Von Tours über Villandry und Azay-le-Rideau und Chateau d' Ussé und Chinon nach Saumur
6. Tag Von Saumur über Angers nach Montjean sur Loire
7. Tag Von Montjean sur Loire nach Nantes
8. Tag Von Nantes mit dem Zug nach Vierzon, von dort mit dem Fahrrad zurück nach Sully sur Loire
9. Tag Rückreise mit dem Auto von Sully sur Loire nach Mainz

 

Erster Tag: Sa, 18.08.2001:
Anreise mit meinem Auto von Mainz nach Sully sur Loire:
8:20 h Abfahrt Laubenheim, 8:40 h Abfahrt Rodelberg
16:10 h Ankunft in Sully; 660 km
Das Hotel (Hotel de la Poste) liegt in Ortsmitte; von der Straßenseite her ziemlich trist, vom Garten her deutlich besser.
Unser Zimmer liegt in einem separaten Bau auf der anderen Straßenseite, mit Balkon und Blick auf die Loire.
Das Auto kann ich im Hofbereich des Hotels auf einem überdachten Stellplatz parken.
Nachdem wir ausgeladen und das Zimmer bezogen haben, rufe ich Ursula per Handy an, um zu sehen, ob die Verbindung klappt. Es klappt: die 3 Damen aus Mainz (Hiltraud, Ursula, Elke), die zur gleichen Zeit die Loire in entgegengesetzter Richtung befahren, sind derzeit in Blois und suchen ein Quartier. Wir vereinbaren den nächsten Anruf für Sonntag Morgen, 9 h.

Danach fahren wir mit den Fahrrädern zum Schloss und zum Schlosspark.
Dort sind viele Bogenschützen zu Gange, die mit Pfeilen und Hochleistungsbogen auf Tier-Attrappen schießen, die im Park so aufgestellt sind, als ob sie in freier Wildbahn wären.
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit und Durchschlagskraft so ein Pfeil ankommt.

Es setzt dann leichter Regen ein.

Nach dem Duschen gehen wir durch Sully, um ein geeignetes Restaurant zu finden, und kehren letztendlich doch bei unserem Hotel ein.

Der Wein (Rosé) ist ok (Weinkühler mit Eiskühlung), aber das Menu für 120 FF ist den Preis nicht wert: Gurkenscheiben, die als Gurkensalat bezeichnet werden; ein Stück gegrilltes Fleisch mit etwas Gemüse, und zum Schluss Obstsalat, der vermutlich aus der Dose stammt und mit einigen Orange-Schnitzen angereichert wurde.

Nach dem Essen gehen wir in der Dunkelheit noch mal zum Schloss: das sieht sehr schön aus mit der spärlichen, aber gekonnt eingesetzten Beleuchtung.

Und wir sehen auch, dass
2 Gaststätten, die bei unserem ersten Rundgang ziemlich leer waren, jetzt proppenvoll sind.

Fazit: die Franzosen gehen relativ spät zum Essen, erst gegen 20 h bis 20:30 h.

 

Zweiter Tag: So, 19.08.2001
7 h aufgestanden, Wetter: bedeckt, frisch, windig
7:30 h zum Frühstück (im Anbau): karges Frühstück: Café au lait, 1 Croissant, 2 Baguette-Hälften + Butter + Marmelade
Meinen Autoschlüssel gebe ich auf entsprechende Bitte hin beim Bezahlen an der Rezeption ab: die Chefin gibt ihn ins Schließfach und zeigt mir, dass auch die holländischen Touristen, deren Auto vor meinem steht, ihren Schlüssel dagelassen haben.
Nachdem wir die Reservierung für den kommenden Samstag nochmals bestätigt haben, bepacken wir unsere Räder und fahren gegen 9 h los, in Richtung Orleans.
Wir haben ständig frischen Gegenwind, es ist nicht sehr angenehm, so zu fahren.
Mittagspause um 12:45 h nach 54 km bei einem Freizeitgelände vor Orleans.
Dann Anruf von Ursula: wir vereinbaren uns für 14 h bis 14:15 h vor der Kathedrale von Orleans.
Um 13:50 h kommen Christian und ich dort an. Von den 3 Frauen ist niemand zu sehen.

Das Wetter bessert sich leicht: der Wind lässt nach und es wird ein wenig wärmer. Wir warten. Um 14:30 h rufe ich Ursula nochmals an; Antwort: "In 30 Minuten sind wir da". Und um 15:10 h sind sie dann tatsächlich angekommen, gut gelaunt.
Wir haben uns vor der Kathedrale zum Café gesetzt und Kaffee getrunken und erzählt.
Gegen 16:20 h sind Christian und ich dann aus Orleans weitergefahren.
Um 19 h sind wir in Beaugency angekommen. Das Hotel Sologne, das uns die 3 Damen wärmstens empfohlen hatten, ist vollständig ausgebucht. Der Chef empfiehlt uns das Relais du Templier. Dort kommen wir unter, und beide Wirtsleute sprechen sogar deutsch (die Frau stammt aus Deutschland).
Das Zimmer soll 285 FF kosten, das Frühstück 38 FF pro Person.
An diesem Tag: 93,5 km Gesamtstrecke; Durchschnitt 15,56 km/h; reine Fahrtzeit 6:00 Stunden

Nach dem Duschen sind wir durch den Ort gegangen, um eine geeignete Gaststätte zu suchen.

Letztendlich haben wir die "CrepZeria" ausgewählt: dort konnte man im Freien sitzen.
Ich entschied mich für Salade paysanne und ein Kartoffelgericht; mit Wein zusammen 150 FF.
Später fängt es an leicht zu regnen, und in der Nacht regnet es dann noch kräftiger.
Später habe ich im Bad dann noch meine Fahrrad-Hemden rausgewaschen.

Dritter Tag: Mo, 20.08.2001
7:10 h aufgewacht. Der Himmel ist ziemlich bedeckt, es muss in der Nacht kräftig geregnet haben.
7:50 h zum Frühstück, gegen 9:15 h Abfahrt.
Zuerst sind wir über die Brücke auf die andere Seite der Loire gefahren, um Beaugency mit Loire und Brücke zu fotografieren. Dann Weiterfahrt, später sind wir bei Muides-sur-Loire auf die andere Seite des Flusses gewechselt. Bei Muides-sur-Loire Frau mit blankem Busen im einem Zelt auf dem Campingplatz (die zog die Bluse gerade in der Sekunde aus, als wir vorbeifuhren).
St. Dyé sur Loire: alte Basilika, leider verschlossen. Der Ort war früher offenbar der Hafen für das Baumaterial für Schloss Chambord. Wir verlassen dann die Loire und fahren in Richtung Chambord.

Das Schloss Chambord ist sehr beeindruckend!
Wir haben es uns aber nur von außen angesehen und sind mit den Rädern im Schlosspark rumgefahren.

Gegen 11 h begann dort in einem abgeschirmten Bereich hinter einer Mauer ein Reiterspektakel in historischen Kostümen, aber das haben wir uns - auch wegen des hohen Eintrittspreises - nicht angesehen.

Weiterfahrt, Picknick in Bracieux auf Picknick-Platz.

Danach zum Chateau de Villesavin: dort sollte der Eintritt gleich an der Schranke kassiert werden, ohne Blick auf das, was uns erwartet: Nein, da haben wir verzichtet. Dann weiter zum Schloss Cheverny: das ist im Reiseführer vorteilhaft beschrieben; wir haben die Räder angeschlossen und sind reingegangen (42 FF pro Person).

Sehr schönes Schloss, tolle Symmetrie, prima Zustand.

Am Rande des Parks ein großes Gehege mit der Hundemeute: die lagen alle relativ apathisch im Gehege rum und dösten.

Dann haben wir außerhalb im Freien Espresso getrunken: merkwürdige und schneckenlahme Bedienung, wovon uns die eine völlig ignoriert hat.

Dann weiter über Cormeray. In der Gegend des Ortes Favras war die Wegführung oft völlig unklar, aber mit häufigem Durchfragen und der Mithilfe der Bevölkerung sind wir dann doch noch dorthin gekommen, wo wir hinwollten.

 

 

Dann erreichten wir Feings und fuhren zum Chateau Medieval: schön, liegt mitten im Ort, ruhig.

Wir kamen um 17:30 h an, die Besuchszeit endete um 18 h, daher sind wir nicht reingegangen.

Dann weiter über Thenay nach Bourré ins Tal des Cher, weiter nach Montrichard.

Wir kamen hier um 19 h an und fragten im Hotel la Croix blanche nach einem Zimmer: 325 FF, Frühstück 38 FF pro Person, Zimmer ok, das nehmen wir.

Oben über der Stadt thront die Burg, die mit einigen Ritter-Puppen geschmückt ist.
Die Brücke über den Cher lag abends in einem wunderschönen Licht: leider hatte ich meinen Foto vergessen (aber Christian hatte seinen dabei).
Auf dem Rückweg in die Stadt wird es dann schon ziemlich frisch.
Abends eine Gaststätte zu finden, die uns zusagte, war nicht ganz einfach.
Schließlich sind wir bei einer Pizzeria in einer schmalen Seitenstraße "im Freien" gesessen: ich aß Salade Nicoise und eine Pizza. Bedienung miserabel, weil alles gleich auf einmal geliefert wurde und meine Pizza nur noch lauwarm war, als ich mit dem Salat fertig war. Mein Essen mit Wein: 150 FF.
Zwischendrin rief ich mit dem Handy in MZ und in Sossenheim an: in den Häuserschluchten kein Empfang, aber am Cher hat es funktioniert.
Zeitweilig Probleme mit Taubendreck (von oben).
Ggf. wäre die Gaststätte bei dem Office du Tourisme die bessere Wahl gewesen.

Die Partnerstadt von Montrichard ist Eltville: mitten im Ort steht an einer Straßenkreuzung ein deutsches Verkehrsschild mit der Angabe "Eltville 780 km".

An diesem Tag: 95,6 km Gesamtstrecke; Durchschnitt 16,84 km/h; reine Fahrtzeit 5:40 Stunden

Vierter Tag: Di, 21.08.2001
7:00 h aufgewacht. Draußen ist es ziemlich kalt, etwa 11 °C.
Der Chef ist ein ziemlicher Brummbär, aber das Frühstück ist das beste, was wir bis dahin auf der Tour hatten: endlich ein Frühstücks-Buffet !!
Wir haben dann in Montrichard bis etwa 9:40 h fotografiert, auch von der anderen Seite des Cher aus. Zurück in der Stadt fuhren wir an einer Garage/Scheune vorbei, in der ein Mann ein ziemlich großes Modell von Montrichard und der Burg hergestellt und aufgebaut hatte (wären wir mit dem Auto unterwegs gewesen, hätten wir das niemals gesehen).
Wir fahren dann weiter zum Chateau Chenonceau: nach Angaben im Reiseführer ist es das meistbesuchte Schloss im Loire-Tal.
Nach der Anzahl der Touristen, die wir sahen, dürfte das stimmen.
Da Christian das Schloss früher schon einmal besichtigt hat, gehe ich ab 10:30 h alleine rein und wir verabreden uns für 12:00 h wieder am Eingang.

Das Schloss ist schön und licht und beeindruckend, und übervoll von Touristen.
Gleiches gilt für die 2 großen Gärten.
Man nennt es auch "le Chateau des Dames", weil es von Frauen entscheidend geprägt wurde:
Diana von Poitiers, Catherine de Medicis, Katherine Briconnet, Gabrielle d'Estrees und Luise von Lothringen.
Zeitweilig habe ich mich einer Gruppe älterer deutscher Touristen angeschlossen und deren Führerin zugehört: "Nicht mit vollem Mund trinken" stammt aus dem Mittelalter, wo viele, bis zu
12 Personen aus einem einzigen Becher tranken, und der Inhalt des Bechers trotzdem einigermaßen sauber bleiben sollte.
Im Schlafgemach der Luise von Lothringen erläutert sie die Deckenbemalung: aus einer Dornenkrone ragen weiße Federn heraus; zur Bedeutung der Federn: italienisch: Penna, wird im französischen wohl wie "Pain" gesprochen und heißt dann Schmerz, Trauer.

Gegen 12:00 h treffen wir uns wieder am Eingang; mein Rad steht noch so da, wie ich es abgestellt hatte (Gott sei Dank!).
Wir verlassen Chenonceaux und wollen fürs Mittagessen Brot kaufen, aber die einzige Boulangerie in Civray hat leider geschlossen. Wir entschließen uns, in Richtung / bis Amboise weiterzufahren; der Weg ist hügelig, später folgt eine Abfahrt.
Amboise präsentiert sich zuerst grau und mit nur wenigen Menschen, und plötzlich ist man in der Innenstadt, es ist lebhaftes Treiben und es sind viele Menschen da; der Übergang ist - nicht nur in Amboise - manchmal etwas drastisch.
Am Ortsanfang haben wir kurz beim Clos Lucé reingeschaut und uns entschlossen, erst mal Brot zu beschaffen und Mittagessen einzunehmen.
Wir haben 2 Baguettes gekauft und in Amboise auf einer Steinbank in praller Sonne gesessen und Picknick gemacht (die Butter konnte nur im Schatten gehindert werden, völlig wegzulaufen).
Anschließend schoben wir die Räder durch die Fußgängerzone, dann am Schloss vorbei, wo viele Menschen gegenüber bei den Restaurants im Freien saßen, und waren dann unversehens wieder beim Clos Lucé: hier hat Leonardo da Vinci die letzten Jahre seines Lebens verbracht und ist hier auch gestorben. Im Erdgeschoss sind Modelle ausgestellt, die von IBM nach seinen Zeichnungen gefertigt wurden und - in Verbindung mit seinen anderen Leistungen - die Genialität dieses Menschen vor Augen führen. Insgesamt: sehr schön.
Anhand einer eindrucksvollen Sammlung von 40 Maschinen, die ihrer Zeit um 4 Jahrhunderte voraus waren, lernt man da Vinci als Ingenieur kennen. IBM fertigte diese Maschinen nach den Plänen eines Mannes, der so sehr von der Zukunft träumte, dass er auf sie vorgriff.

Leonardo da Vinci im Clos-Lucé (1516-1519):

Als Gast von König Franz I., ließ sich Leonardo da Vinci im Jahre 1516 im Schloß Cloux (Clos-Lucé) nieder. In Begleitung von Francesco da Melzi und seines Dieners Battista de Villanis brachte er aus Rom, auf Eselsrücken gepackt, drei der liebsten Gemälde des Königs in Ledertaschen mit. Nach Aussagen des Sekretärs des Kardinals von Aragon handelte es sich hierbei um "das Gemälde einer Dame aus Florenz, die auf Ersuchen des verstorbenen Giuliano von Medici naturgetreu gemalt wurde" (die Mona Lisa), sowie um ein Gemälde der Heiligen Anna und von Johannes dem Täufer die da Vinci im Clos-Lucé fertigstellte. Franz I., der da Vinci ehrenvoll behandelte, schenkte ihm das Schloß Cloux. Das bloße Vergnügen, ihn täglich reden zu hören, machte ihn überglücklich. Cellini hörte den König zum Meister sagen, daß er es nicht für möglich hielt, daß ein Mensch sowohl auf dem Gebiet der Bildhauerkunst, als auch der Malerei und der Baukunst so bewandert sein kann. Da Vinci erhielt von Franz I. einen Festbetrag von 700 Goldtalen pro Jahr. Außerdem bezahlte der König seine Werke. Umgeben von der Bewunderung und Zuneigung des Königs und seiner Schwester Marguerite de Navarre, konnte er im Clos-Lucé ganz nach Belieben träumen, reden und Experimente machen. Er beeinflußte sowohl die Geisteshaltung als auch die Mode seiner Zeit. Wie im Verlauf der Besichtigung immer wieder zu erkennen ist, arbeitete da Vinci als Ingenieur, Architekt und Regisseur, der für den Hof großartige Feste veranstaltete. Am 23. April 1519, als er Betrachtungen zur "Gewißheit des Todes und zur Ungewißheit des Zeitpunktes " anstellte und zur Schlußfolgerung kam, dass "kein Mensch zum Nichts zurückkehrt", schrieb er sein Testament und legte seine Seele in die Hand Gottes, des "souveränen Herrn und Herrschers". Es wird erzählt, daß er auf seinem Totenbett weinte, weil er den Schöpfer und die Menschen dieser Welt beleidigte, da er an seiner Kunst nicht pflichtgemäß arbeitete. Wie Melzi am 1. Juni 1519 in seinem Brief an die Brüder da Vincis schrieb "schied er gut vorbereitet, mit allen Sakramenten der Kirche, aus dem diesseitigen Leben aus".

Wir haben dann in dem rückseitig am Garten angeschlossenen Cafe noch Espresso getrunken (schöner Blick aufs Schloss) und sind anschließend über Noizay nach Tours gefahren.

Vor Tours wäre es schöner gewesen, wenn man an der Loire fahren könnte statt auf der stark befahrenen Straße , aber da ist kein brauchbarer Weg.
Die Alternativ-Route von Christian nach Tours (an der TGV-Brücke) können wir nicht fahren, weil der Weg gesperrt und unpassierbar ist.
Unterwegs sind an der Straße immer wieder Fels-Höhlen bzw. Fels-Wohnungen und Lager im Fels zu sehen.
In Tours fahren wir zunächst zur Kathedrale und ruhen uns dort ein wenig aus, anschließend zum Office de Tourisme, um nach einem Zimmer zu fragen.
Ich lasse mir von der Frau im Stadtplan markieren, wo geeignete 2-Sterne-Hotels liegen.
Zuerst zum Hotel Chateaux de la Loire. Frage der Chefin: Haben Sie reserviert? Antwort: Nein. Sie: Wir sind komplett belegt. Sie empfiehlt uns das Hotel de la Cygne. Wir fahren hin. Die Chefin spricht etwas englisch. Das Zimmer ist ok (schönes, altes Innenstadthaus mit großen Klappläden, 2. Stock, Zimmer 11), das Bad auch. 2 Betten: die Chefin will aus dem Doppelbett 2 Betten machen in der Zeit, wenn wir in der Stadt sind (das schafft sie dann auch tatsächlich).

In Tours:
Nach dem duschen sind wir mit den Fahrrädern in die Stadt gefahren.
In der Rue Colbert befuhren wir - der Gewohnheit folgend - die Einbahnstraße in der verkehrten Richtung (so richtig haben wir aber beide nicht verstanden, was nach der aufwendigen Beschilderung dort erlaubt war und was nicht).
Prompt kam uns dann auch ein Polizeifahrzeug entgegen, hielt vor uns an und sofort wurde das Blaulicht eingeschaltet: der Fahrer hielt Christian einen Vortrag auf französisch, wir verstanden beide natürlich gar nichts, stiegen dann aber ab und schoben die Räder.
Das war es dann auch.
Wir sind dann weiter zu unserem Ziel: zum Place Plumereau, den Christian von einem früheren Besuch in Erinnerung hatte. Suuper! Ein riesengroßer Platz, voll mit Tischen, Stühlen und Menschen, die trinken und essen. Und das Ganze zieht sich mit seiner einzigartigen Atmosphäre auch in die Straßen hinein, die von diesem Platz ausgehen. Wir sondieren erst mal das ganze Terrain und entschließen uns dann, an einem 2er-Tisch Platz zu nehmen bei einem Restaurant, das Couscous anbietet (das habe ich noch nie gegessen). Ich habe trotzdem noch ein gemischtes Gefühl wegen der mir unbekannten Situation: Touristen-Nepp? Minderqualität?
Wir bestellen also Couscous al agneau bzw. brochette al agneau. Davor einen kleinen Salat. Dazu Weißwein für mich und Rotwein für Christian (wie immer).
Ergebnis: wir waren sehr zufrieden, sowohl mit dem Essen und dem Wein, als auch mit dem flotten und guten Service. Kosten für mich: 150 FF, angemessen.
Anschließend brachten wir die Räder zum Hotel zurück (die standen dort in der Waschküche, die an eine Art Hinterhof-Garage anschloß und um 22:30 h geschlossen werden sollte).
Dann sind wir zu Fuß nochmal zu dem Platz zurück, suchten uns einen Sitzplatz und tranken mehrere Gläser Wein: sehr angenehm, sehr unterhaltsam. Um 23:30 h sind wir dann zum Hotel zurück und schliefen dann auch bald ein.
Frühstück: 35 FF pro Person
An diesem Tag: 62,3 km Gesamtstrecke; Durchschnitt 16,20 km/h; reine Fahrtzeit 3:50

 

Fünfter Tag: Mi, 22.08.2001

7 Uhr aufgestanden: Himmel bedeckt,
etwa 15 °C

Wir sind aus Tours rausgefahren über eine lange Allee (wie in bikeline beschrieben) und dann an dem Fluss Cher entlang über Savonnières zum Chateau de Villandry.

Kurz vor dem Schloss sahen wir eine deutsche Rad-Reisegruppe, die mit Omnibus und Anhänger unterwegs war (Hamburger Reisedienst?); die wollten wohl die 2 km bis Villandry mit dem Fahrrad zurücklegen (das wäre uns zu wenig).
Mir zieht es schon den ganzen Tag über hinten im Kreuz.

Wir entschließen uns, vom Chateau de Villandry nur den Garten zu besichtigen (30 FF pro Person).

Der Garten ist schön, interessant und eindrucksvoll, insbesondere die Verwendung von Gemüsen zur Gartengestaltung. Andererseits: der Wassergarten ist nicht so super, da kann ich mir Besseres vorstellen.

Anschließend haben wir in Villandry in einer kleinen Bäckerei in der Nähe des Schlosses Brot gekauft und 2 Stücke Käsekuchen (zumindest dachte ich da noch, es sei Käsekuchen).
Auf der Weiterfahrt kamen wir zur Mündung des Cher in die Loire und zweigten später ab nach Azay-le-Rideau. Im Ort raunzt uns der Fahrer eines 6er-Peugeot an und fährt extra knapp an uns vorbei, weil wir - einmal mehr - eine Einbahnstraße in verkehrter Richtung befahren.
Im Ort kaufen wir uns dann in einer Edel-Metzgerei Salami und Käse am Stück.
Wir fahren dann in Richtung Schloss und finden am Ortsende nach einigem Suchen einen sehr schönen Picknick-Platz am Wasser, am Indre: etwa 40 m entfernt von einem Gaststättenbereich stehen am Wasser, nahe einer Brücke, 2 Plastiksessel und ein Tisch; auf einer Wiese liegen einige Kanus. Da weit und breit kein Besitzer zu sehen ist, nehmen wir Platz und machen Picknick.
Als wir fertig sind, geht Christian kurz baden, und anschließend kamen dann auch nach und nach die Kanuten und hängten ihre Ausrüstung dort auf.

Azay-le-Brulée:

Auf einer Reise wurde König
Karl VII in Azay von den dort stationierten Soldaten beleidigt.
Aus Rache schickte er dann seine Truppen, ließ alle 350 Soldaten umbringen und das Dorf niederbrennen.

Wir haben dann das Terrain geräumt und den Tisch wieder zurückgestellt und fuhren dann zum Schloss Azay-le-Rideau. Innen-Besichtigung: nein. Garten: ja, macht 36 FF pro Person.
Eindruck: ok, aber nicht umwerfend. Da ist die Story mit Azay-le-Brulée schon interessanter.

 

 

 

 

 

Vom reich gewordenen Bürger bis zum liberalen Aristokraten

Im Jahre 1515, zu Beginn der Herrschaft des französischen Königs Franz I., erwirbt Gilles Berthelot das Lehen von Azay und baut das Haus nach dem damals vorherrschenden Geschmack um. Als Sohn eines königlichen Hofkämmerers (Maitre de la Chambre aux Deniers du Roi) hatte er sich gerade mit Philippe Lesbahy vermählt, die aus einer reichen Familie in Blois stammte. Gilles Berthelot ist mit dem Oberintendanten der Finanzen des Königreiches, Semblancay, verwandt und macht eine glänzende Karriere; er wird Generalsteuereinnehmer und bald darauf Schatzmeister Frankreichs.

Sein neues Schloß bringt diesen erstaunlichen sozialen Aufstieg zum Ausdruck Semblancay wird jedoch der Veruntreuung bezichtigt, eingekerkert und schließlich im Jahre 1527 in Montfaucon hingerichtet. Der ebenfalls verdächtigte Berthelot kann sich der ihm drohenden Verhaftung knapp durch Flucht entziehen und läßt seine Frau als Herrin eines unvollendeten Schlosses zurück. Franz I. schenkt Azay einem seiner Kampfgefährten, Antoine Raffin, dessen Nachkommen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im Schloss lebten. 1791 erwirbt Charles de Biencourt, ein liberaler Aristokrat, das Schloß. Die Marquis de Biencourt erweisen sich für das Dorf Azay und dessen Einwohner als eifrige Wohltäter und verleihen dem Schloß über mehre Generationen einen neuen Glanz. Sie lassen die letzten Überbleibsel des Mittelalters entfernen und legen den großen romantischen Park an. Kurz vor dem 20. Jahrhundert sieht sich der ruinierte letzte Marquis gezwungen, die Ländereien zu verkaufen. Am Vorabend des 20 Jh. erfolgt schließlich der Verkauf des Schlosses selbst.

Nach der Schloss-Besichtigung fahren wir über Marnay nach Bréhémont an die Loire.
Dort setzen wir uns - in einer Holzkonstruktion mit Tischen und Bänken, die zu einer Gaststätte gehört - an die Loire, trinken Kaffee (den wir in der Gaststätte holten) und aßen den Kuchen aus Villandry, der tatsächlich keinen Käse-Belag hatte, sondern eine Pudding-Masse. An der Loire waren einige Angler, darunter einige Asiaten, die tatsächlich Fische in beachtlicher Größe fingen.

Die Weiterfahrt ging zum Chateau d' Ussé: es sieht von außen wirklich aus wie ein Dornröschenschloss.

 

Davor eine Gruppe asiatischer Touristen (vermutlich Japaner), die sich gegenseitig in allen denkbaren Konstellationen fotografierten.

Das Chateau d' Ussé haben wir uns nur von außen angesehen, weil uns eine Besichtigung zu viel Zeit gekostet hätte.

Dann weiter über Huismes nach Chinon: bergig und anstrengend in der Hitze.

 

 

 

Gegen 17:15 Uhr kommen wir in Chinon oben beim Schloss an und sehen nur einen einzigen Turm. Ich frage nach reduziertem Eintritt für abends (schließlich geht es nur bis 18 Uhr): nein, das gibt es nicht. Na dann schenken wir uns halt die Besichtigung, schließlich kann man auch von der Brücke, die über den Schlossgraben führt, ins Tal hinunter sehen.

 

Wir fahren dann runter in den Ort und haben von der bergigen Tour in der Hitze großen Durst: im Supermarkt kaufe ich Apfelsaft und Wasser, und wir mischen uns Apfelsaft-Schorle. Bestens.

Weiter über Savigny-en-Véron: mehrere Zigeuner-Fahrzeuge stehen an der Straße, eine Gruppe junger Zigeuner liegt mitten auf der Straße: mit mulmigem Gefühl fahren wir vorbei.

Wenige Kilometer weiter üben einige Männer Tontaubenschiessen an einem Schießstand.

Der Weg führt weiter zur Mündung der Vienne in die Loire nach Caudes-St. Martin.

 

 

Für die Weiterfahrt nach Saumur verwenden wir nicht den Fahrradweg, der im bikeline-Führer beschrieben ist: das ist uns zu hügelig und wir sind in Zeitdruck. Stattdessen fahren wir auf der ebenen D947, die allerdings etwas stärker mit Autos befahren ist.
Gegen 19:20 Uhr kommen wir in Saumur an.

 

Hotelsuche. Ins Stadtzentrum. Kyriade will 395 FF; das Haus sieht gut aus, das Zimmer ist ok, aber relativ dunkel; wir wollen noch mal nachdenken.

Dann zum Hotel Les Londres: das angebotene Zimmer (mit 2 separaten Betten) liegt außerhalb des Hauses in der Nähe des Garagenbereiches.
Die Aussicht ist nicht überwältigend, aber das Zimmer soll nur 260 FF kosten (Frühstück 37 FF pro Person) und hat - bei nüchterner Betrachtung - alles was wir brauchen: wir nehmen es.
Die Fahrräder stellen wir in eine Garage im Hinterhof.

Empfehlung zum Abendessen (auf Nachfrage): Auberge St. Pierre.
Da gehen wir dann auch hin (zu Fuß): Gerappelt voll und keine Aussicht auf einen Sitzplatz in annehmbarer Zeit.
Wir gingen dann zu einem Fisch-Restaurant, wo eher ein Platz zu kriegen war. Dort waren viele englische Touristen. Das Essen war sehr gut (ich aß Grenadierfisch-Filet), der Wein (mit Weinkühler, der an den Tisch gehängt wurde, und Probieren) auch, aber der Service war mies (kein Brot, lange Wartezeit, unaufmerksam).

Für mich 160 FF, aber wir geben nur 3 FF Trinkgeld, weil wir mit dem Service unzufrieden waren.

Danach sind wir zum Place St. Pierre gegangen, nahmen dort Platz und tranken einige Gläser Wein.
Um 24 Uhr gingen wir zurück ins Hotel.

An diesem Tag: 100,5 km Gesamtstrecke;
Durchschnitt 18,55 km/h; reine Fahrtzeit 5:25 Stunden

 

Sechster Tag: Do, 23.08.2001

7:10 Uhr aufgestanden.
Wetter: zuerst bedeckt, später voll sonnig.
Frühstück: ein kleines Buffet
Zuerst fuhren wir in die Stadt, dann hoch zum Chateau von Saumur, dort über die Brücke.

Der deutsche Fahrrad-Reisebus, den wir bereits in Villandry gesehen hatten, war auch hier, aber die Reisenden waren noch nicht zu sehen. Dafür hatte aber der Fahrer schon eine lange Imbiß-Theke mit Bananen und anderem aufgebaut.

Wir fuhren dann wieder runter nach Saumur, ich kaufte im Supermarkt Apfelsaft und Wasser (für Schorle), und Christian brauchte dann noch eine Bank für Bargeld.

Aufgrund dieser Aktivitäten waren wir auch um 10:45 Uhr noch immer in Saumur, also praktisch noch nicht vom Fleck gekommen.

Dann endlich Weiterfahrt, zunächst zur École Nationale d' Equitation, den Berg hoch.

Dort habe ich für Lea ein T-Shirt mit Pferdemotiven und dem Aufdruck der ENE gekauft (99 FF).

Fürs Picknick haben wir später in Chênehutte Baguettes gekauft bei der Boulangerie; Brotbelag (Leber-Pastete) kauften wir bei einem von 3 Ständen bei dem Mini-Markt auf dem Parkplatz am Ortseingang (leider habe ich versäumt bzw. mich nicht getraut, die 3 "typischen" Franzosen vor dem kleinen Käsewagen zu fotografieren).

Käse hatten wir noch vom Vortag.

Unterwegs kamen wir an einem Höhlen-Restaurant vorbei: Christian ging 100 m rein.

Eine Kirche mit offener Tür: da konnte man von der Straße bis zum Altar sehen.

Picknick machten wir in Gennes im öffentlichen Park, im Schatten.

Nach Gennes kommt der kleine Ort le Thoureil: sehr schön; wenige, alte, gepflegte Ferienhäuser, eins davon mit 2 Auto-Veteranen. 2 Gaststätten, appetitlich, im Freien.
Weiter: St. Remy la Varenne, danach sind wir einen anderen Weg gefahren, ohne Steigungen: über Gohier, dann über Les Ponts de Cé direkt über eine Hauptstraße nach Angers. Teilweise denkt man, man kriegt den Arsch abgefahren. In Angers viel Verkehr. Schloss, Kathedrale, Fußgängerzone, Café. Da haben wir uns hingesetzt und Espresso getrunken. Gegenüber war ein Geschäft für Umstandskleidung, und Christian meinte, hier gebe es viel mehr Schwangere als bei uns. Über dem Geschäft, in 4 m Höhe lief eine hinkende Katze auf einem schmalen Sims an dem Haus entlang. Nach 65 km Tagesstrecke Ankunft in Angers, im Anjou.
Weiterfahrt aus Angers raus: umständlich, ein Autofahrer gab "suboptimale" Auskunft: auf holprigem Feldweg, an der Maine entlang. Angler. Holprig. Später (und gefrustet) haben wir es dann doch noch geschafft, über die Brücke nach Bouchemaine zu kommen.
Dann weiter auf belebter und hügeliger Straße über Savennieres nach Possonniere.
Dort haben wir wieder Apfelsaft und Wasser gekauft und ich habe - leider! - den restlichen Apfelsaft pur getrunken.
Hinter Possonniere hat uns ein Autofahrer beim Weg weitergeholfen: er ist extra ausgestiegen und hat uns den weiteren Streckenverlauf erklärt.
Dann fängt es an, in meinem Darm zu grummeln (Apfelsaft!).
Hinter der nächsten Loire-Brücke (les Aireaux) habe ich mich ins Gebüsch verdrückt, und dann ging es mir wieder besser.
Bei Possonniere fing wieder ein markierter Radweg an.

In Montjean sur Loire haben wir beim ersten Hotel nach einem Zimmer gefragt (Auberge de la Loire). Ja, 350 FF, Frühstück 40 FF pro Person.

Ich sehe es mir an: ok.

Das Zimmer (1 von 4) liegt unter dem Dach. Wir bringen unser Gepäck hoch.

Christian fährt mit dem Fahrrad noch 20 Minuten durch die Gegend, ich dusche in dieser Zeit.

Wir haben dann einen Tisch bestellt für 20:30 h. Wir sind zu dieser Zeit dann runtergegangen ins Restaurant und haben dann geändert: statt im dunklen NR-Zimmer saßen wir lieber im helleren Raucher-Zimmer (es hat dort aber kaum jemand geraucht).

Ich nehme das Menu für 138 FF (eine Lachs-Vorspeise, Charlotte mit Fisch, und Crème brulée), Christian das für 98 FF, jeweils plus Wein.
Excellent! Sehr zufrieden! Für mich 214 FF, das war es aber allemal wert.

Danach sind wir im Dunkeln durch den Ort gegangen: es waren einige großformatige Kunstobjekte aufgestellt.
Da sonst nix los war, gingen wir zurück zu unserem Hotel, haben uns eine halbe Flasche Weißwein in Longdrink-Gläser füllen lassen und uns draußen an der Loire-Brücke auf die Mauer gesetzt und getrunken. Sehr warm, kaum Abkühlung.
Als wir dann wieder ins Hotel wollten, war die Eingangstür zu und unten alles dunkel, und dann stellten wir fest, dass unser Schlüssel nicht für die Eingangstür passte.
Wir haben dann geklingelt: der Chef kam runter, deaktivierte die Alarmanlage und ließ uns rein.
Ich habe in dieser Nacht eigentlich gut geschlafen, trotz der Hitze.

An diesem Tag: 104,3 km Gesamtstrecke; Durchschnitt 17,25 km/h; reine Fahrtzeit 6:02 Stunden

 

Siebter Tag: Fr, 24.08.2001
7 Uhr aufgestanden. Wetter: zunächst etwas diesig, dann sonnig
Beim Frühstück 2 Deutsche am Nachbartisch (junger Mann und junge Frau): Muffköpp!
Abfahrt in Montjean sur Loire pünktlich um 9 Uhr.
Nach 3 km Fahrt merkt Christian, dass er seine Fahrradbrille auf der Mauer vergessen hat.
Er fährt zurück, ich fahre langsam weiter; nach einer halben Stunde hat er wieder aufgeholt. Steigung bei St. Florent sur Loire. Bei Ancenis rüber. Die Strecke zwischen Ancenis und Oudon entlang der Bahm ist in einem saumäßigen Zustand (grober Schotter).
In Oudon haben wir im Supermarkt üppig eingekauft: Pastete, Käse, Brot, Getränke.
Dann fuhren wir wieder rüber ans linke Ufer und dort die steilen Steigungen in Kurven hoch.
Danach dann Picknick im Bereich von la Varenne auf einem öffentlichen Picknick-Platz.
Die 2 Muffköpp kommen auch vorbei, fahren aber weiter. Wir überholen sie später hinter Mauves-sur-Loire; ich verliere beim Passieren kein Wort.
Nach Nantes ist es doch weiter, als wir zunächst dachten, aber positiv ist: es gibt Fahrrad-Spuren neben den stark befahrenen Straßen.
In Nantes dann zum Office de Tourisme, um nach Hotels zu fragen: Das ist ein großes Haus, auch mit Verkaufsfläche; die Zimmer-Reservierung etc. ist nur in einer vorderen Ecke untergebracht.
Hotelsuche: zuerst ein 2-Sterne-Haus in einer lauten Straße: da sind wir gar nicht reingegangen. Dann zum Hotel Cholet: freundliche Frau. Erstes Zimmer: ok, aber laut (Straße); auf Nachfrage zweites Zimmer, hinten raus: nicht so schön und stinkt nach Zigaretten. Soll: 280 FF. Nein!

 

Dann weiter zu Hotel Amiral: Zimmer absolut ok, geht in Nebenstraße. Preis: 250 FF: Sonderpreis für Wochenende, normal 349 FF.
Das nehmen wir.

Duschen. Dann um 17:30 h zum Büro der SNCF in der Innenstadt und Fahrkarten gekauft und Reservierung vornehmen lassen. Von Nantes nach Vierzon Ville; kostet 406 FF für beide zusammen, die Räder sind gratis. Ich bezahle mit meiner Euro-Master-Karte.

Dann fuhren wir zu dem Platz, wo das Office de Tourisme liegt, und tranken Espresso.

Es ist sehr warm, überall.

Später sind wir mit den Fahrrädern in die Innenstadt gefahren.
Von einer Telefonzelle aus rief ich zuhause an. In der Nachbarzelle war ein Mädchen (so etwa
8 - 10 Jahre alt), dessen Eltern dort telefonierten; da mein Rad an der Telefonzelle stand, hat das Mädchen dann ganz ehrfürchtig und nachdenklich an meinem Lenker probiert, wie sich das Lenkerband an den Hörnchen und der biogrip-Gummi anfühlen.

Dort wird es dann allmählich voll, ähnlich wie in Tours. Christian ist in Hundesch.. reingetreten, die vor einem chinesischen Restaurant breitgetreten war. Leider.
Essen: Entrecote mit Beilagen, Crème brulée, Wein: 180 FF für mich, war aber ok.
Dann brachen wir auf, um uns an einer anderen Stelle in der Stadt zum trinken niederzulassen.

Am Nachbartisch ein etwas älterer Franzose, der gut deutsch spricht und mit Christian ins Gespräch kommt. Er ist Fernfahrer und war früher eine Zeitlang in Wittlich. Er meint, wir seien verrückt, diese Fahrradtour so zu unternehmen.
Dann sind wir nochmal umgezogen zu einem anderen Platz.
Vor einem anderen chinesischen Restaurant, das kaum Gäste hatte (Temple du Ciel), kamen gegen 24 Uhr mehrere Chinesen zusammen, alle in guter Laune (trotz des geringen Gäste-Zuspruchs), und unterhielten sich und aßen noch. Auch 2 goldige Mädchen mit Brillen, die eine so etwa 7 Jahre alt, die andere vielleicht 12 Jahre alt, waren bei der Gruppe dabei und warteten geduldig.
Gegen 0:30 Uhr fuhren wir zum Hotel zurück und haben die Räder unten reingestellt (im EG in einen Raum im hinteren Bereich).
Da haben wir erst gemerkt, dass dieses Quartier doch nicht optimal ist und die Nacht lange und laut wird: neben unserem Hotel war mindestens eine Gaststätte in unserer Nebenstrasse, bei der die Gäste im Freien saßen und laut waren. So blieb es dann auch bis spät in die Nacht. Spät in der Nacht ein paar laute Schreier, und bald danach irrt irgendeine Frau heulend und schluchzend durch die nächtlichen Gassen von Nantes, und das Geschluchze verliert sich dann irgendwann.
An diesem Tag bis Nantes:
74,6 km Gesamtstrecke; Durchschnitt 16,98 km/h; reine Fahrtzeit 4:23 Stunden

 

Achter Tag: Sa, 25.08.2001

Um 6 Uhr bin ich aufgewacht (ein Wunder, dass ich überhaupt geschlafen habe). Es ist warm. Um 7 Uhr bin ich aufgestanden, um 7:45 h gingen wir zum Frühstück: kein Buffet, aber gut.
8:55 h Abfahrt am Hotel, das Wetter ist sonnig und warm.
Auf dem Weg zum Bahnhof haben wir Baguettes gekauft. Da es am Bahnhof keine Getränke gab, sind wir nochmal in die Stadt gefahren und kauften Apfelsaft und kühles Wasser in einem kleinen Laden. Christian wollte auch Briefmarken kaufen, wurde aber an ein anderes Geschäft verwiesen. Zurück am Bahnhof habe ich dann auf dem Vorplatz versucht, meinen wabbligen Fahrradständer richtig festzuschrauben, habe aber bald gemerkt, dass das Kunststoff-Teil komplett durchgebrochen war und das das eigentliche Problem ist. Ich habe dann den Fahrradständer komplett abgebaut und mitgenommen (Garantiefall).
Der Zug sollte um 9:57 h in Nantes ankommen und um 10:18 h abfahren; Ankunft in Vierzon Ville sollte um 13:15 h sein.
Dann gingen wir zu dem Bahnsteig (voie) Nr. 1, an dem unser Zug - mit Fahrradwagen - kommen sollte. Der Zug kam dann auch, aber ohne deutlich gekennzeichnetes Fahrrad-Abteil, allenfalls (!) mit einem Winz-Abteil ganz hinten. Also sind wir ganz vorgefahren und ich habe den Lokführer gefragt: der weiss es nicht. Dann in Zugmitte den Schaffner gefragt. Der meint, es könnten gar keine Fahrräder mitgenommen werden. Ich reklamiere: Internet, Ausdruck, Reservierung. Ein zweiter Deutscher (junger Mann) reklamiert auch. Der Schaffner sieht dann in seinen Unterlagen nach und meint, ganz hinten könnten die Fahrräder wohl rein (das ist das Winz-Abteil). Wir schaffen dann die 4 Fahrräder (unsere beiden und die der beiden jungen Leute) irgendwie rein, mein Fahrrad steht dann schon halb in der Tür und ich habe es mit dem Abus-Schloss an einem Griff angeschlossen.Dann begeben wir uns mit dem Gepäck auf Sitzplatzsuche, schließlich haben wir ja reservierte Plätze. Der Weg ist anstrengend, weil der Zug ziemlich voll ist. Unseren Platz 35 finden wir schließlich in einem 6er-Abteil. Den Platz 47 gibt es anscheinend aber gar nicht.
Als der Schaffner kommt und ich ihn frage, bestätigt er: Platz 47 gibt es gar nicht, weil dies unplanmäßig ein Erster-Klasse-Waggon ist. Schließlich findet er aber für uns in einem Nachbar-Abteil 2 Sitzplätze nebeneinander. Soweit besser als befürchtet. Zwischenzeitlich ist der Zug schon proppenvoll und wird noch voller.
Gegen 13:10 h gehe ich nach vorne zu den Rädern (ächz, mit dem Gepäck in den vollen Gängen) und informiere den Mann mit der Minibar, der sein Gerät vor die Fahrräder gestellt hat, dass wir mitsamt Fahrrädern in Vierzon rausmüssen. Er macht Platz und ich bedanke mich.
Nachdem wir in Vierzon alles wie gewünscht aus dem Zug rausgekriegt haben, unterhalten wir uns noch mit den 2 jungen Leuten, die ab Nantes bis hierher mitgefahren sind: die stammen aus Berlin, waren zuerst mit ihren Gudereit C75 im Burgund und dann noch ein paar Tage am Atlantik. Sie wollten über Paris zurück.
Wir könnten auch mit dem Zug nach Orleans fahren, der geht aber erst um 16:59 h ab und käme um 17:58 h in Orleans an, und dann müssten wir noch die 55 km von Orleans bis Sully fahren.
Deswegen wollen wir direkt von Vierzon nach Sully fahren, auch wenn es ein paar Kilometer mehr sind.
Christian und ich machen uns auf den Weg (Nachfrage in Vierzon bei 2 Männern) über Orcay (Picknick im Wald am Abzweig nach Orcay), Nancay, Souesmes, Brinon sur Saldre (Pause bei einer Gaststätte an der Straße mit Kaffee und O-Saft), Vannes, Viglain zurück nach Sully.

Vor Brinon vergnügen sich etliche Jungen ortsfern an einer Brücke, indem sie von der Brücke in den Fluss darunter springen; Christian macht etliche Fotos.
In Vannes rief ich von einer Telefonzelle aus beim Hotel in Sully an und sagte, dass wir mit Sicherheit kommen werden, dass es aber 20:45 h werden kann (Antwort: "Pas de probleme").
Um 20:30 h kommen wir in Sully an.
An diesem Tag: 96,6 km Gesamtstrecke; Durchschnitt 17,37 km/h; reine Fahrtzeit 5:33 Stunden
Von den Gesamt-Kilometern dieses Tages sind 8 km Quellverkehr in Nantes.

In Sully steht mein Auto noch immer so da, wie ich es hingestellt hatte - Gott sei Dank.

Nach dem Duschen gehen wir zum Essen zu der Pizzeria nahe dem Schloss. Wir setzen uns an einen großen Tisch, der bereits benutzt war, und warten, werden aber nicht beachtet. Ich frage dann, ob wir etwas essen können. Antwort, halbherzig: ja. Dann wird uns empfohlen, an einem abgeräumten 2er-Tisch Platz zu nehmen. Machen wir, werden dann aber wiederum nicht beachtet, während andere, die nach uns kamen, bedient werden. Nachdem wir innerhalb von 15 Minuten nach Ankunft noch immer nicht bedient werden, verlassen wir diese gastliche Stätte und gehen zu einer anderen Gaststätte. Da dauert es zwar auch etwas, weil eine große Gruppe dort ist, aber wir kriegen dann doch noch was.
Mein Teil: 150 FF.

 

 

 

 

 

 

 

Neunter Tag: So, 26.08.2001

7:10 Uhr raus. Warm, sonnig.
Abfahrt in Sully um 9:25 Uhr (nachdem wir nochmal beim Schloss waren und ich einige Fotos machte, und nachdem Christian eingefallen war, dass er noch Loire-Sand mitnehmen wollte).
Rückfahrt bei Temperaturen im Bereich von 33 bis 35 °C.
Mein Fahrrad habe ich auf dem Dachgepäckträger am Unterrohr beschädigt, weil die Klammer nur für runde Rohre passt. Ich habe später dann einen alten Fahrradschlauch um das Unterrohr drumgewickelt und versucht, den Klammerndruck mit großen Unterlegscheiben besser zu verteilen, das ging dann auch gut.

Ankunft in Mainz um 17:15 Uhr nach 652 km.

 

 

Zuhause bin ich nach der Rückkehr mental in ein tiefes Loch gefallen, weil Lea sich über das
T-Shirt der ENE keineswegs soo sehr gefreut hat, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Es hatte für sie anscheinend nur den Wert eines 08/15-T-Shirts, das ich auch bei Woolworth hätte kaufen können, und ihre Mutter äußerte sich nur lobend zur Qualität des Stoffes.
Keinerlei Nachfrage nach dem woher oder nach den näheren Umständen.
Ich habe dann mit Lea geredet und rübergebracht, dass ich für dieses T-Shirt 5 km den Berg hochgefahren bin, 15 Minuten in der Schlange an der Kasse stand und mir danach oft ausgemalt hatte, wie sehr sie sich wohl freuen würde, wenn ich es ihr gebe.
Und ich sagte ihr auch, dass es vielleicht nicht auf das T-Shirt ankommt, sondern darauf, dass ein Mensch an einen anderen Menschen gedacht hat.

 

Letzte Anmerkungen:

Brombeeren
die Brombeeren am "Oberlauf" der Loire schmecken besser als die hinter Angers in Richtung Meer.


Freundliche Franzosen
So gut wie alle Franzosen, denen wir begegnet sind, waren freundlich und haben den Gruß erwidert.

Küsschen
Männer kriegen von Frauen bei der Begrüßung 2 Küsschen, Frauen hingegen 4 Küsschen.

Wein
Wein wird zum Essen nicht glasweise verkauft, sondern flaschenweise, es werden aber auch kleine Flaschen (0,375 l) angeboten (Gott sei Dank).

Höhlen
Wiederholt sahen wir am Weg, dass im Fels (relativ weiches Gestein) Höhlen eingerichtet waren, die teils als Lager, teils als Scheune, gelegentlich als Weinkeller, selten zum Wohnen und einmal als Restaurant genutzt wurden.